Beschleunigung zur Nahrung

Projektdetails:

Projektleitung: Dr. Petra Sumasgutner

Finanzierung: FWF Der Wissenschaftsfond

Programm: FWF Start

Laufzeit: 2023 - 2028

Projektnummer: Y 1486

Problemstellung

Das Verhalten und der Energieverbrauch von Tieren ändern sich mit zunehmender menschlicher Aktivität und mit der Vergrößerung des menschlichen Fußabdrucks und wirken sich mit Kaskadeneffekten über alle trophischen Ebenen hinweg auf die Fitness aus. Effizientes Nahrungsverhalten ist überlebenswichtig, kann aber in freier Wildbahn schwer zu messen sein, insbesondere bei Beutegreifern und Aasfressern, wenn Jagdversuche selten sind und die Möglichkeiten zur Nahrungssuche räumlich und zeitlich schwer vorherzusagen sind. Vor dieser Herausforderung stehen wir im Anthropozän, wenn solche Informationen für die Entwicklung von Theorien und die Anwendung von Erhaltungsmanagementkonzepten zum Schutz der biologischen Vielfalt unerlässlich sind und wenn Beutetiere und Aasfresser schneller abnehmen als jede andere Nahrungsgilde. Direkte Tierbeobachtungen sind zeitlich und geografisch begrenzt und werden häufig durch die Anwesenheit des Menschen selbst beeinflusst. Zwar ist es möglich, Wildtiere an einen Beobachter zu gewöhnen, doch ist dies nach wie vor arbeitsintensiv und erfordert Langzeitstudien, die zeitlich und räumlich begrenzt sind. Zu den jüngsten Fortschritten bei der Fernüberwachung des Verhaltens gehören dreiachsige Beschleunigungssensoren (Accelerometer) zur Messung der Körperposition (statische Beschleunigung) und der Körpergeschwindigkeit (dynamische Beschleunigung). Anhand der aufgezeichneten Muster lässt sich interpretieren, welches Verhalten wann und wo gezeigt wird, und der damit zusammenhängende Energieverbrauch messen.

Forschungsplan

Mit GPS und Beschleunigungssensoren ausgestattete Tiere - um die Raumnutzung und die Aktivitätsmuster zu verstehen, können als passive Sensoren für Veränderungen verstanden werden. Störungen, wie vom Menschen verursachte Umweltveränderungen (d. h. Landnutzungs und anthropogener Klimawandel), die inselweite Ausrottung invasiver Säugetiere und die durch COVID-19-bedingte Lockdowns bieten eine  Forschungsmöglichkeit, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu untersuchen. In diesem Forschungsprojekt entschlüsseln wir solche Mechanismen, die dem Nahrungsverhalten und dem Energieverbrauch verschiedener Vogelarten in vom Menschen beeinflussten Umgebungen zugrunde liegen. Dabei konzentrieren wir uns auf vier schwierige Bedingungen, die sich nicht für direkte Beobachtungen eignen und daher die Anwendung neuartiger Technologien erfordern:

  • Aasfresser und Beutegreifer in sich schnell verändernden Umgebungen, die weniger vorhersehbar sind (für das Zieltier und den Beobachter) und schnelle Verhaltensreaktionen erfordern, um zu überleben
  • interaktive Effekte, die sich auf Big Data stützen, um die notwendige Varianz in allen relevanten Aspekten zu liefern, z. B. bei der Überbrückung eines gesamten Lebensraumgradienten zwischen Stadt und Land oder eines Temperaturbereichs, der sowohl Minusgrade als auch Hitzewellen umfasst;
  • Aasfressergemeinschaften, wenn mehrere Individuen oder Arten miteinander interagieren, die unterschiedlich empfindlich auf (menschliche) Störungen reagieren, und wenn Jagdereignisse, die Aas liefern, räumlich und zeitlich unvorhersehbar sind; und
  • Beutegreifer-Beute-Interaktionen, wenn Jagden selten sind und/oder nachts stattfinden.

Team

Mitarbeitende:

AT Prof Thomas Bugnyar, Prof Sonia Kleindorfer (Konrad Lorenz Research Centre), Dr Shane McPherson-Sumasgutne (Skylines Raptor Research)

AT Bernhard Lankmaier (Cumberland Wildpark), Franz Schüttelkopf (Adlerarena Bug Landskron)

UK (University of St Andrews): Prof Christian Rutz, Dr Robert Patchett

US (The Peregrine Fund): Dr Chris McClure, Dr Ralph Buij

DE (Max Planck Institute of Animal Behaviour): Dr Matthias Loretto, Dr Kamran Safi

CH (Swiss Ornithological Institute): Dr Martin Grüebler, Dr Matthias Tschumi, Julia Hatzl

EC Dr Birgit Fessl (Charles Darwin Foundation | Galápagos Land Bird Plan), Paula Castaño (Island Conservation | Floreana Re:wild), Dr Paolo Piedrahita (ESPOL – Escuela Superior Politécnica del Litoral)

Vulture Conservation Foundation: Dr Franziska Lörcher, Dr Julien Terraube, Dr Juan Pérez-García

Kontakt

Dr. Petra Sumasgutner
Email: petra.sumasgutner[at]univie.ac.at