Geschichte
Konrad Lorenz Forschungsstelle
Als Konrad Lorenz, damaliger Direktor am Deutschen Max Planck Institut für Verhaltensphysiologie, im Alter von 70 den Ruhestand antrat, kehrte er nach Österreich zurück und suchte einen Platz, wo er die Forschung an seiner halbzahmen Schar Graugänse fortsetzen konnte. Von Otto König vermittelt wurde Konrad Lorenz von Ernst August, Herzog von Cumberland, eingeladen. Gebäude wurden umgebaut, Teiche gegraben und bald darauf konnten Lorenz und seine Mitarbeiter beginnen, die Gänse von Seewiesen nach Grünau zu bringen. 10 Jahre vergingen bis die Schar sich wieder stabilisiert hatte.
Die ersten Jahre von Lorenz' Forschung wurden noch vom deutschen Max Planck Institut finanziert. Die Österreichische Akademie der Wissenschaft übernahm die Zahlungen im Jahr 1980. Neben Gänsen wurde auch an der Entwicklung von anderen Vögeln, Bibern und Wildschweinen geforscht. Als Konrad Lorenz im Jahr 1989 starb, war die Zukunft der KLF ungewiss. Beginnend mit Juli 1990 konnte die Arbeit Dank der Bemühungen von Prof. John Dittami und dem Land Oberösterreich wieder aufgenommen werden.
Am 12. Dezember 1973 wurde Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen. Lorenz hatte in diesem Jahr bereits seine Gänse ins Almtal gebracht, die KLF wurde daraufhin 1974 gegründet. Von 1990 bis 2018 war Prof. Dr. Kurt Kotrschal Direktor der KLF, seit 2018 leitet Prof. Dr. Sonia Kleindorfer die Forschungsstelle.
Von 1990 bis 2012 agierte die KLF ausschließlich unter dem Trägerverein "Verein der Förderer der Konrad Lorenz Forschungsststelle". Seit 2012 ist die KLF auch eine Core Facility der Universität Wien. Die Aktivitäten der KLF werden weiterhin durch den Verein der Förderer der Konrad Lorenz Forschungsstelle unterstützt.
Konrad Zacharias Lorenz
Konrad Lorenz war ein österreichischer Zoologe, Ethologe und Ornithologe. Zusammen mit Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch wurde er 1973 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet.
Als Konrad Lorenz 1973 im Alter von 70 Jahren von der Leitung des Deutschen Max Planck Instituts für Verhaltensphysiologie, Seewiesen zurücktrat, kehrte er nach Österreich zurück und suchte nach einem Ort, an dem er die Verhaltensökologie seiner habituierten Graugänseschar weiter erforschen konnte. Otto König machte Konrad Lorenz mit S.M. Ernst August (Herzog von Cumberland) bekannt, der ihn nach Grünau einlud. Gebäude wurden adaptiert, Teiche angelegt, und schon bald begannen Lorenz und seine Mitarbeiter, die Gänse von Seewiesen nach Grünau umzusiedeln. Mit Unterstützung der Cumberland-Stiftung gründete er die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Verhalten und Kognition (Oberösterreichisches Almtal; jetzt eine Core Facility der Universität Wien, Abteilung für Verhaltens- und Kognitionsbiologie) und etablierte eine Herde von 100 Graugänsen, die in den letzten 50 Jahren mit einer Herdengröße von 100 bis 200 Gänsen überlebt hat.
Lorenz war ein herausragender Wissenschaftler und ein großartiger Vermittler von Wissenschaft, insbesondere in der Disziplin der Ethologie. Er legte viele wichtige Grundlagen für die Erforschung des Tierverhaltens, die das Fachgebiet bis heute prägen. So vertrat er beispielsweise die Ansicht, dass das Verhalten von Tieren als solches studiert werden sollte, und nicht nur als Rechtfertigung für ein besseres Verständnis des Menschen.
Als Student der Anatomie und Taxonomie erkannte Lorenz, dass tierisches Verhalten als ein Merkmal, das der Selektion unterliegt, in einem evolutionären und phylogenetischen Rahmen untersucht werden kann. Seine Arbeiten über Instinkt und Prägung haben die Entstehung von Studien über Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt geprägt, da wir weiterhin über die Rolle von Vererbung und Erfahrung bei der Genexpression und der Entwicklung von Phänotypen nachdenken. Lorenz schlug vor, dass Lehren und Lernen wichtige adaptive Eigenschaften sind, die durch Selektion geformt werden, und warf mit seiner Betonung der a priori Mechanismen der sensorischen Informationsverarbeitung sogar einen Schatten auf die Kognitionsbiologie. Aufbauend auf den Konzepten der Homologie und der Analogie betrachtete Lorenz die kulturelle Evolution und die Rolle der von Generation zu Generation weitergegebenen Technologie als Analogie zu den Zwickeln von San Marco, d. h. zu den Design-Zwängen, die die "Körperpläne", die Umsetzung und die Informationsübertragung prägen können. Lorenz begründete die Wissenschaft der Verhaltensbiologie und machte deutlich, dass Tierpsychologie und menschliche Psychologie tatsächlich untrennbar miteinander verbunden sind. Er machte die Verhaltensbiologie weltweit populär, insbesondere im deutschsprachigen Raum.
Warum ist die KLF immer noch nach Konrad Lorenz benannt?
Die Konrad Lorenz Forschungsstelle wurde 1973 von Konrad Lorenz gegründet und ist seit 2012 eine Core Facility der Universität Wien. Wir unterstützen eine Auseinandersetzung mit dem Legat von Lorenz, dessen Rolle im Nationalsozialismus wir keineswegs teilen, und befürworten eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den wechselseitigen Einflüssen zwischen Politik und Wissenschaft. Die Konrad Lorenz Forschungsstelle der Universität Wien unterstützt Aktivitäten, die das Leben von Lorenz kontextualisieren. Wir werden die Forschungsergebnisse des Projekts "Critical Honors" ernst nehmen und als Gelegenheit nutzen, über unsere eigene (europäische) Geschichte, die Person Konrad Lorenz und die Geschichte und Person von Lorenz zu reflektieren.