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Forschung an der KLF

Generelle Informationen:

Wir konzentrieren uns auf die Mechanismen und die Funktionen des Sozialen Lebens bei Graugänsen (anser anser)Raben (Corvus corax)Krähen (Corvus corone)Dohlen (Corvus monedula) und bei Waldrappen (Geronticus eremita). Hauptthemen sind Steroid Hormone als Beschleuniger und Markierungen für soziales Verhalten, sowie die Rolle der Kognitiven Mechanismen in sozialen Interaktionen und im gemeinsamen Zusammenleben.

Wir arbeiten mit einer halbzahmen Schar Graugänse, mit einer relativ stabilen Gruppe von wilden Raben, wir halten Raben und Krähen in Volieren und machen experimentelle Projekte mit einer freifliegenden Kolonie vom Aussterben bedrohter Waldrappe. Dies ist die erste freilebende Gruppe von Waldrappe in Europa seit 400 Jahren. Deshalb ist eine unserer wichtigsten Prinzipien, uns unserer spezifischen „wissenschaftlichen Nische“ bewusst zu sein, um nicht nur die Vorteile dieser zu nutzen, sondern um auch klar sagen zu können, wo die Grenzen liegen. Unsere Arbeit ist klar problemorientiert, aber mit einem starken Fokus auf eine intakte Gruppe in ihrer natürlichen Umgebung.

Soziale Komplexität

Unsere Arbeit mit Gänsen und Raben und den Daten anderer Labore, zeigen ein ansteigendes Maß an Konvergenz in sozialen Mechanismen bei Vögeln und Säugetieren. Zum Beispiel, führen Graugänse langfristige Familienbande und manche Weibchen bilden innerhalb der Schar Clan-ähnliche Strukturen. Gänse unterstützen ihren Partner aktiv und passiv, was bedeutet, dass sie ihm bei aggressiven Interaktionen mit anderen helfen, wobei ihre Anwesenheit die Stressreaktionen aller Beteiligten dämpft. Eine komplexe Sozialität ist generell mit beeindruckenden kognitiven Fähigkeiten verbunden. In diesem Punkt sind wir bei den Graugänsen erst ganz am Anfang. Bei den Corviden (Raben und Krähen) hingegen, kommt die Kognitions-Forschung gut voran. Von allem, was wir wissen, sind Raben wirklich „fliegende Affen“. Solch eine Ähnlichkeit zwischen Säugetieren und Vögeln, trotz 230 Millionen Jahren getrennter Evolution, mag eine Überraschung sein. Dennoch kann es durch gewöhnliche Selektionspunkte auf und in sozialen Systemen erklärt werden, sowie durch das evolutionär bedingte, konservative Wirbeltier-Gehirn.

Eine weitere Arbeit von uns ist es, die Beziehung zwischen Hormonen und Verhalten zu erforschen. Vor allem Steroid Hormone sind wichtige Vertreter in der Verhaltens- und strukturellen Ontogenese. Androgen, Östrogen, Corticosteroide und andere Hormone sind in der Regulierung von sozio-sexual Verhalten und bei der Stressbewältigung involviert. Hormone beeinflussen Verhalten, haben aber umgekehrt ökologische und soziale Reize.

Individuelle Unterschiede sind nicht zufällig, aber sie unterscheiden sich je nach „Persönlichkeit“. Bei den Graugänsen erforschen wir, wie diese Hormone in den einzelnen Individuen reguliert werden durch Jahreszeiten, Geschlecht, Alter, soziale Interaktionen, Dominanz, etc. Hormone werden durch nicht invasive Methoden ermittelt, z.B.: durch das Einsammeln von Kot. Diese Methode wurde in enger Zusammenarbeit mit Prof. Möstl und Prof. Palme, vom Institut für medizinische Biochemie der Universität für Veterinärmedizin in Wien, entwickelt und validiert. So kann das Fangen und das Handhaben von den Tieren vermieden werden und die Corticosterone Metaboliten können gemessen werden, ohne Beeinflussung durch die Sammel-Methode.

Wir haben bei den Graugänsen festgestellt, dass der soziale Status die jährlichen Steroid-Muster signifikant moduliert, dass Männchen auf schwierige Situationen reagieren und das der Grad der Testosterone-Kovariation in Paaren über das Jahr verteilt, eine Paarbindungsqualität in diesen langfristig monogamen Tieren anzeigt. Wir führten unsere Arbeit weiter, mit einem Fokus darauf, ob ein früher Kontakt mit Steroiden mütterlichen Ursprungs zur Entwicklung der Persönlichkeit beiträgt. Man weiß, dass die Menge an mütterlichem Testosteron im Eidotter einen großen Unterschied bei den Bewältigungsstrategien bei Kanarienvögeln macht, da entweder weniger mutige Individuen oder eben mehr entstehen. Diese Effekte bleiben ein Leben lang und beeinflussen, wie die Individuen mit umweltbedingten und sozialen Anregungen umgehen und wie sie sich diesen annähern. Außerdem haben wir das Sozialverhalten, Kortikosteron Ausscheidung und die Herzfrequenz mit der Persönlichkeit verbunden, wobei wir die Art der Annäherung getestet haben und uns die jahrelangen, energetischen Effekte (die Vor- und Nachteile) vom sozialen Leben angesehen haben und wie diese mit der Persönlichkeit verbunden sind.

Bei unserer freifliegenden Waldrappkolonie haben wir nicht nur die Nahrungssuche und das Füttern untersucht, sondern auch das Verhalten und die Hormone. Ausgeschiedenes Testosteron und Kortikosteron wurden bei handaufgezogenen Geschwistergruppen von verschiedenen Jahrgängen untersucht. Gleichaltrige Tiere wuchsen erheblich langsamer, als Jene, die in einem Nest mit einer natürlichen Alterszusammensetzung aufwuchsen. Natürliche Futtersuche und das Stehlen von Futter, das ein Anderer gefunden hat, wurde ebenfalls beobachtet. Eine Studie über den Anteil der Arbeit zeigte, dass Paare bei dieser Vogelart fast dieselben Mengen an Testosteron ausscheiden, gefolgt von einer Studie über die Beziehung zwischen äußerlichen Charakteristiken (die Merkmale, die ein Männchen benutzt um ein Weibchen zu beeindrucken. Zum Beispiel: prächtiges Federkleid) und die Immunität.

Kognition

Die Kognitive Verhaltensforschung beschäftigt sich mit der Frage, wie und warum sich Individuen und Spezies in ihren kognitiven Fähigkeiten unterscheiden, d.h. in ihrer Intelligenz und ihren mentalen Fähigkeiten. Verbunden mit unseren Basisthemen, den sozialen Mechanismen, interessieren wir uns besonders für die sogenannten „soziale Intelligenz“. Diese haben wir über die letzten 20 Jahre bei Graugänsen, Raben, Dohlen, Krähen und Waldrappen erforscht. Anfangs haben wir uns die Aufnahmefähigkeit von handaufgezogenen Gänsen und Raben beim Sozialen Lernen angesehen. Mit unseren Beobachtungen von wilden Raben konnten wir das erste Mal zeigen, dass Vögel fähig sind zu täuschen und in die Irre zu führen. Raben wissen auch was andere wissen und können mit diesem angeeigneten Wissen arbeiten. Diese Forschungen werden nun mit wilden Raben und Jenen in den Volieren an der KLF in Grünau fortgesetzt, sowie mit den Raben und Keas in Volieren an der Forschungsstelle Haidlhof, eine neue gemeinsame Forschungseinrichtung der Universität Wien und der Universität für Veterinärmedizin in Wien.

Bei den Gänsen haben wir experimentelle Ansätze benutzt, um zu demonstrieren wie und über welche sozialen Linien die Traditionen sich verbreiten. Wir haben bei den Gänsen gezeigt, dass der Ansatz zur Lösung eines Problems mit einer gewissen Persönlichkeit verbunden ist und dass sie fähig sind hierarchisch zu denken.

Insgesamt hat unsere Arbeit über die Kognition von Vögeln einen großen Teil zum jetzigen Wissensstand über die oftmals säugetierartigen, kognitiven Fähigkeiten bei Gänsen beigetragen. Raben zum Beispiel, werden von vielen heutzutage als „Schimpansen mit Flügeln bezeichnet“. Vogel-Gehirne sind also nicht so dumm, wie immer alle glauben.

 

 

Die Rückkehr des Waldrapps in Europa 

Seit 1997 war es ein weiterer Fokus eine lokale Kolonie von Waldrappen anzusiedeln. Heute sind frei vorkommende Populationen dieser Vögel in Marokko und Syrien auf weniger als 30 Tiere reduziert. Jedoch sind in Gefangenschaft fast 2000 Waldrappe, die sich gut fortpflanzen. In Europa starb dieser Vogel vor 350 Jahren aus. Unser Ziel war es, mit der Gründung einer Freiflugkolonie in Grünau eine weitere Gruppe dieser Tiere zu haben um 1) Grundlagenforschung vom Sozialverhalten zu haben und 2) um Wissen für Wiederansiedelungsprojekte dieser gefährdeten Spezies sammeln zu können. 

Die ersten zwei Jahre dieses Projektes waren schwierig und wir haben die meisten Vögel an Räuber verloren und durch Zerstreuung im Herbst. Heute haben wir eine Freiflugkolonie von ungefähr 30 – 40 Tieren, welche ihr eigenes Futter im Frühling und Sommer suchen, und nie in ihrer Voliere im Cumberland Wildpark eingesperrt sind, welche auch ihre Brutstätte und der Schlafplatz sind. 

Die Gruppe begann sich 2002 fortzupflanzen, nachdem 4 Junge schlüpften. Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine Wiederansiedelung des Waldrapps in Europa möglich ist, wenn ein erneutes Zugverhalten erreicht werden kann. (siehe www.waldrappteam.at).

Die Handaufzucht von Waldrappen und auch von anderen Tieren, ermöglicht es unter besser kontrollierten Umständen zu forschen. Zum Beispiel haben wir uns mit dem Einfluss der Altersunterschiede von Geschwistern auf aggressive Interaktionen, Stress und Wachstum beschäftigt und haben versucht herauszufinden, wie einzelne Küken aufwachsen und sich in die Kolonie integrieren im Gegensatz zu Jenen, die die ersten 3 Wochen gemeinsam mit Geschwistern gelebt haben. Studien über die soziale Komplexität folgen noch.

 

 

 

 


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