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Häufig gestellte Fragen

Wie alt können Waldrappe, Graugänse und Raben werden?

Bis zu 30, 40 und 50 Jahre wenn man von Individuen ausgeht, die in Gefangenschaft leben.

Sind Raben intelligenter als Graugänse?

Das kommt darauf an, was mit "Intelligenz" gemeint ist. Raben sind fähig, Informationen vor Artgenossen zu verbergen, sie sind gut im lösen von technischen Problemen und sie sind sehr erfinderisch. Gänse sind in diesen Aspekten weniger gut, sie sind aber fähig sich die soziale Position und die Beziehungen von mehr als 100 Artgenossen zu merken, was eine erstaunliche soziale Intelligenz beweist.

Kann bei den Graugänsen nach 70 Jahren Forschung eigentlich noch etwas Neues erforscht werden?

Wenn unser Thema die "Biologie der Graugans" wäre, würden wir sicher ein Ende erreichen. Aber Gänse sind immer noch nützliche Forschungsmodelle um grundlegende Fragen zu beantworten. Nachdem zum Beispiel klar wurde, das mütterliche Hormone im Dotter die Persönlichkeit der Jungtiere beeinflussen, haben wir uns im Gegenzug gefragt, wie sich das auf die sozialen Rollen der Jungtiere auswirkt. Es ist wesentlicher Bestandteil der hypothetisch-deduktiven aristotileschen Methode der Wissenschaft, dass ein Ende der Fragen nie erreicht wird. Deshalb streben wissenschaftliche Theorien die "Realität der Natur" an, aber sie werden sie nie erreichen. Was bedeutet, das nie endgültige Antworten auf alle möglichen Antworten gefunden werden können.

Sind Waldrappe aus Gefangenschaft zu degeneriert, um überhaupt je wieder in Europa angesiedelt werden zu können?

Nein. Die frei-fliegende Gruppe in Grünau besteht aus handaufgezogenen Jungtieren, welche in Gefangenschaft gelebt haben. Die Vögel haben trotzdem ihre natürlichen Instinkte und das gesamte Verhaltensrepertoire gezeigt, wie zum Beispiel die Nahrungssuche, Fernorientierung, eine erfolgreiche Reproduktion und die Formation von Gruppen-spezifischen Traditionen. Wir glauben deshalb fest daran das die Vögel, welche von Eltern in Gefangenschaft stammen, für eine Wiederansiedelung gut geeignet sind.

Welche (wenn überhaupt) Relevanz hat die Verhaltensforschung bei Gänsen, Raben und Waldrappe für uns Menschen?

Die evolutionäre Erklärung des menschlichen Verhaltens und der sozialen Bestimmung brauchen einen vergleichenden Ansatz. Die Ergebnisse von den Graugänsen sind sicherlich nicht direkt relevant für den Menschen. Aber Prinzipien und Hypothesen sind es, wie zum Beispiel über soziale Organisation. Dies kann auch bei Menschen erforscht werden.

Welchen Nutzen hat die Forschung der KLF?

Grundlagenforschung ist nie auf sofortige ökonomische Vorteile ausgerichtet. Eher trägt unsere Arbeit dazu bei, um auf grundlegende Fragen der Philosopie zu antworten, nämlich wer wir sind und woher wir kommen ("wir" im Sinne von das Leben generell). Bedeutende Neuerung kommen immer aus der grundlegenden Wissenschaft, nie von der angewandten Seite. Deshalb haben die Ergebnisse der KLF (über Persönlichkeit, das Waldrapp-Projekt, etc.) ihre Ableger in Richtung Natur und Artenbewahrungsmanagement.

Ist die KLF eine Forschungsstation der Universität Wien?

Ja, seit 2012 ist die KLF offiziell in die Universität Wien eingebunden als "Core Facility KLF for Behaviour and Cognition".

Hat die KLF genug Geld um weiterzuforschen?

Im Grunde genommen, ja. Die Grundfinanzierung wird hauptsächlich von der Universität Wien und dem Land Oberösterreich zur Verfügung gestellt, sowie auch vom Bund und privaten Quellen. Die Forschung wird in erster Linie durch Anträge an den FWF finanziert und um neue Projekte starten zu können, brauchen wir meist ein wenig mehr Geld. Die Notwendigkeit einer aktiven Mittelbeschaffung ist jedoch eine der Grenzen der Forschung.

Wie viel Geld braucht die KLF pro Jahr?

Ungefähr 60 000 Euro werden pro Jahr benötigt um die Grundausgaben zu decken (das Arbeitspersonal ausgeschlossen) und weitere 100 000 Euro werden für die Forschung verwendet. Aber um neue Projekte zu starten (wie zum Beispiel Dohlen oder Wölfe), braucht man wesentlich mehr.

Wie viele Personen arbeiten an der KLF?

Es gibt zwei dauerhafte Positionen und eine unterschiedliche Anzahl an Personen, die durch indirekte Zuwendungen bezahlt werden, sowie Freiwillige und Praktikumsstudenten, weshalb immer ca. 10 - 16 Personen an der KLF arbeiten.

Welchen Wert hat die "klassische" Ethologie von Konrad Lorenz für die moderen Verhaltensbiologie?

Einige der Konzepte von Lorenz, wie zum Beispiel die "festen Handlungsmuster" sind auch heute noch wichtig, aber durch die Weiterentwicklung des Feldes sind sie nicht mehr Zentrum des Interesses der generellen Verhaltensbiologie.

War Konrad Lorenz ein Nazi?

Ja und Nein. Er war Mitglied der NSDAP (aus opportunistischen Gründen) und er hat einige Aspekte der Eugenik unterstützt. Aber als unabhängiger Geist hat er werder die nazistischen Ideologien angenommen, noch war er begeistert von den meisten Aspekten des Regimes. Die Tatsache, dass er schließlich nach Russland gesandt wurde, um als einfacher Soldat zu kämpfen, zeigt, dass er nie eine große Rolle in diesem Regime spielen hätte können.

Wie veröffentlicht die KLF ihre Resultate?

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden für gewöhnlich in von Experten begutachteten internationalen Zeitschriften veröffentlicht. Außerdem macht die KLF einiges an Öffentlichkeitsarbeit: wöchentlich werden Führungen angeboten und Berichte werden regelmäßig in Zeitungen und anderen Zeitschriften veröffentlicht.

Beschäftigt sich die KLF auch mit der Bildung?

Die KLF hat tatsächlich in den letzten paar Jahren in Programme für frühe naturwissenschaftliche Bildung investiert. Mehrere Schulen der Umgebung nahmen an der Forschung der Graugänse und Waldrappe Teil.

 

 


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