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Erfolge

Es wäre unmöglich selbst die wichtigsten Erfolge von Konrad Lorenz (KL) herauszuheben. Die Auswahl an Themen in diesem Text sind deshalb nur gute Beispiele. Sie sind eingeladen die Biografien über KL, als auch seine originalen Werke zu lesen. 

KL glaubte schon am Anfang seines Jahrhunderts an einfache, spekulative und vitalistische Ideen. Wie schon C. O. Whitman und O. Heinroth vor ihm glaubte KL, dass stereotypische Verhaltenselemente („Erbokoordination“, „Fixed Action Patterns“) das Verhalten von Mensch und Tier bestimmen. Diese Elemente entstehen durch Nervenzellen im Rückenmark. Bestimmte Verhaltensmuster variieren weniger innerhalb einer gewissen Spezies und sind zumeist erblich. Diese Elemente des Verhaltens sind verantwortlich für die taxonomische Klassifizierung, genauso wie anatomische Charaktere in der klassischen Taxonomie. Die Theorie ist heute weit verbreitet anerkannt, war aber in den 1930er Jahren noch revolutionär. Gemeinsam mit Niko Tinbergen arbeitete er die fixen Komponenten und Teilelemente von angewohnten Verhaltensmustern von Graugänsen zur Brutzeit aus.

Als Antwort auf Iwan Pawlow’s „reflex chain theory“ arbeitete KL mit Erich von Holst aus, dass Tiere (und Menschen) im Verhalten nicht nur von externen Einflüssen beeinflusst werden, sondern dass dieses sich „spontan“ bildet. Das bedeutet, dass sich das Verhalten durch innere Stimulanzen bildet, welche gemeinsam „Motivation“ genannt werden. KL erstellt die These des „psychohydraulischen“ Modells der Motivation. Er sagt, dass jedes fixe Verhaltensmuster seine eigene, unabhängige Steuerung hat. Wenn ein gewisses Verhaltensmuster für eine Weile nicht genutzt wird, wird eine „aktionsabhängige Energie“ gebildet. Daraus folgt, dass die Intensität des Verhaltens von der Stärke der externen Einflüsse, als auch von der Anzahl an der gesammelten „aktionsabhängigen Energie“ abhängt. KL beschreibt „soziale Prägung“ und führte vor allem bei Gössel Experimente aus, welche Stimulanzien involvierten. Diese Arbeit wurde danach von anderen Forschern fortgesetzt, besonders von Ekkehart Hess und Patrick Bateson. 

Sein großes, systematisches Wissen über das Verhalten von Tieren und sein Kontakt mit den Ideen von Immanuel Kant haben es KL ermöglicht, die Grundlage der theoretischen menschlichen Ethologie zu schaffen. Er machte besonders darauf aufmerksam, dass das Menschliche Gehirn und daraus folgend unsere Wahrnehmungsfähigkeiten, sich aus den Überlebenstrieb gebildet hat. Auch wenn KL an „Gruppen-Selektion“  glaubte, womit die meisten von uns heute nicht mehr übereinstimmen würden, hat er die Basis für die Disziplin der „evolutionären Erkenntnistheorie“ geliefert, indem er Biologie mit Philosophie kombiniert hat. 

Im Kontext zu seiner lebenslangen Idee der „Selbstzähmung des Mannes“ entwickelte KL Eugenik (seine Veröffentlichung im Jahr 1940), so wie es viele andere Biologen weltweit zur selben zeit taten. Nach dem Krieg bereute er diesen Fehler öffentlich.

Mit steigendem Alter wandte sich KL immer mehr den Mechanismen der sozialen Organisation zu. Er beobachtete soziales Verhalten in den Tieren, bei denen er früher die Hauptprinzipen des individuellen Verhaltens festgestellt hat (Gänse und Knochenfische). Im Kontrast zu seinen früheren Arbeiten wurden fast keine Ergebnisse veröffentlicht. KL kommentierte vermehrt die Erfindungen der menschlichen Gesellschaft, über die er sehr besorgt war. Das machte ihn zu einem „Guru“ für Generationen von „Kulturpessimisten“ und er hatte seine Ideen der Gruppenselektion weit verbreitet. Sein verantwortungsvolles Einsetzen für den Naturschutz ist in Österreich gut erhalten und wurde unbeabsichtigt der Keim des „green movement“.

Nicht alle von KL’s Konzepten blieben gültig. Zum Beispiel gilt seine Theorie des „psychohydraulischen Modells der Motivation“ nicht in allen Fällen und ist deshalb kein gültiges Modell der Motivation. Auch wenn viele Ideen von KL in der originalen Form angewandt werden können, bildeten sie die Grundlage für vertiefende Forschung. Die daraus resultierenden Forschungen umfassen die „nature-nature“ Debatte in den 1940er und 1950er, die Motivation der Aggression, die Funktionen der Farben von Riff-Fischen und die Mechanismen von Lernen mit Impressionen.

KL war nicht nur ein großartiger Wissenschaftler, er war auch einer der größten Kommunikatoren, welche die Wissenschaft je gesehen hat. Er etablierte die Wissenschaft der Verhaltensforschung und machte klar, dass die Psychologie von Tier und Mensch in der Tat untrennbar ist. Er popularisierte Verhaltensforschung auf der ganzen Welt, vor allem in deutsch-sprachigen Ländern.


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